Was
ist das WHO-Stufenschema?
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Für die medikamentöse Behandlung von Schmerzen hat die Weltgesundheitsorganisation
(WHO) ein Drei-Stufen-Schema entwickelt. Demnach entscheidet nicht die Grunderkrankung über
die Wahl des Schmerzmittels, sondern die Schmerzstärke. Entscheidend für
die Wahl der Stufe ist immer, dass die Schmerzen schnell und effektiv gelindert
werden.
Auf der ersten Stufe stehen einfache Schmerzmittel
wie z.B. Acetylsalicylsäure. Falls deren schmerzstillende
Wirkung nicht ausreicht, kommen auf der 2. Stufe zusätzlich
die so genannten schwach wirksamen Opioide zum Einsatz. Wenn diese
Arzneimittelkombination die Schmerzen auch nicht ausreichend lindert
oder nur hohe Dosierungen einigermaßen wirksam sind, können
auf der 3. Stufe stark wirksame Opioide wie z.B. Morphin oder das
Fentanyl-Pflaster verschrieben werden.
(WHO-Schema)
Bei Patienten mit extrem starken Schmerzen
kann der Arzt direkt Opioide der 3. Stufe verordnen. Teilweise
kommen zusätzlich andere Medikamente wie etwa Antidepressiva
oder Antiepileptika zum Einsatz. Diese so genannten Adjuvantien
können über ihren jeweils spezifischen Wirkmechanismus
den schmerzstillenden Effekt der Opioide ergänzen oder eventuelle
Nebenwirkungen mildern.
Was
bedeutet „retardiert“?
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Der Begriff bedeutet „verzögert“ und beschreibt die langsame
Freisetzung des Wirkstoffs. Erreicht wird das durch eine spezielle Zubereitung
(so genannte Galenik). Beispielsweise kann die Auflösung im Magen-Darm-Trakt
durch stabile Kapseln oder Tabletten langsam erfolgen. Pflaster wiederum geben
den Wirkstoff gleichmäßig über die Haut und das darunter befindliche
Fettgewebe ins Blut ab. Die Schmerzlinderung erfolgt dadurch zeitverzögert
nach etwa 12 Stunden, hält dann aber bis zu 72 Stunden an.
Eine langsame Wirkstoff-Freisetzung vermindert bei Opioiden die Gefahr der
Euphorie und damit die Gefahr der psychischen Abhängigkeit aus. Über
lange Zeit konstante Wirkspiegel bewirken zudem eine dauerhaft gute Kontrolle
der Schmerzen.
Was
ist die transdermale Therapie?
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Transdermal
bedeutet „durch die Haut“. Das Medikament wird weder
geschluckt noch gespritzt, sondern als Pflaster auf die Haut
geklebt. Der Wirkstoff gelangt durch das unter der Haut liegende
Fettgewebe ins Blut und von dort schließlich in Rückenmark
und Gehirn. Dort entfalten die in der Schmerztherapie eingesetzten
Opioide ihre schmerzlindernde Wirkung, indem sie an speziellen
Rezeptoren andocken. Der Vorteil der transdermalen Therapie mit
Opioiden ist, dass der Magen-Darm-Trakt umgangen wird. Verstopfungen,
die bei Opioiden sonst relativ häufig auftreten, sind dadurch
seltener.
Wann
muss invasiv behandelt werden?
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Invasive Methoden stehen immer erst am Ende der Therapiemöglichkeiten,
wenn andere medikamentöse und nicht-medikamentöse Verfahren die Schmerzen
nicht ausreichend lindern können. Man kann dann beispielsweise Schmerzpumpen
einsetzen, die im Körper kontinuierlich Schmerzmittel abgeben. SCS-Geräte
(elektronische Rückenmarks-Stimulatoren) oder die operative Blockade einzelner
Nerven sind weitere Beispiele invasiver Methoden. Dank der modernen Schmerztherapie
sind diese speziellen Techniken jedoch nur bei einem sehr geringen Teil der
Patienten notwendig.
Wirken
verschiedene Applikationsformen von Medikamenten unterschiedlich?
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Schmerzmittel können in unterschiedlichen Applikationsformen verordnet
werden (als Tabletten, Tropfen oder Pflaster). Selbst gleiche Wirkstoffe können
dabei unterschiedlich wirken: Tropfen sind z.B. bei akuten Schmerzzuständen
gut, da sie diese schnell lindern. Sie lassen aber auch schnell in ihrer Wirkung
nach. Tabletten wirken länger und hemmen Schmerzen in retardierter Form
bis zu 12 Stunden. Schmerzpflaster, bei denen der Wirkstoff über die Haut
ins Blut gelangt, wirken 72 Stunden lang.
Was
muss man bei Schmerzpflastern beachten?
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Das
Pflaster muss auf unverletzte, möglichte unbehaarte, trockene
und fettfreie Haut aufgeklebt werden, die vorher auch nicht rasiert
werden sollte (das verursacht viele kleinste Verletzungen). Damit
es gut klebt, ist beim Aufkleben wichtig, das Pflaster mit der
flachen Hand etwa 30 Sekunden lang fest anzudrücken. Starke
Erwärmung z.B. durch Wärmelampen, Heizkissen oder Sonnenbäder
aber auch Sauna und langes Baden in über 37 °C warmen
Wasser sollte vermieden werden. Bei Fieber ist die Dosis eventuell
anzupassen, da dann eine schnellere Aufnahme erfolgen kann.
Haben
starke Schmerzmitteln immer starke Nebenwirkungen?
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Einfache Schmerztabletten der WHO-Stufe 1 belasten längerfristig Magen
und Darm, bei übermäßigem Einsatz kann es zudem zu Leber- oder
Nierenschäden kommen. Die stärkeren Opioide hingegen schädigen
weder Magenschleimhaut noch die Nieren und können auch langfristig eingesetzt
werden. Anfängliche Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Übelkeit
und Erbrechen, die normalerweise nach einer gewissen Zeit wieder nachlassen.
Eine häufig längerfristige Begleiterscheinung ist Verstopfung. Allerdings
reagiert jeder Patient auf verschiedene Opioide unterschiedlich und auch die
Art der Verabreichung spielt eine Rolle. Bei Pflastern, die den Magen-Darm-Trakt
umgehen und den Wirkstoff über die Haut abgeben, sind Verstopfungen seltener.
Um der Verstopfung gleich von Anfang an zu begegnen, verordnet der Arzt vorsorglich
leichte Abführmittel. Eine ballaststoffreiche Ernährung (Opioide
und Ernährung) kann die Verdauung zusätzlich unterstützen.
Treten Nebenwirkungen auf, ist es hilfreich,
diese in einem Schmerztagebuch zu notieren und mit dem Arzt darüber
zu sprechen. Er kann dann die Schmerzbehandlung und auch die Begleittherapie
optimieren.
Was
hilft bei Verdauungsproblemen?
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Verstopfung
ist eine häufige Nebenwirkung der Schmerztherapie mit Opioiden,
die durch Bewegungsmangel noch verstärkt werden kann. Um
ihr von Anfang an zu begegnen, verordnet der Arzt meist leichte
Abführmittel. Eine ballaststoffreiche Ernährung (Opioide
und Ernährung) fördert die Verdauung zusätzlich.
Ergiebige Quellen für Ballaststoffe sind beispielsweise
Haferflocken, Weizenkleie, frische oder getrocknete Früchte
und allgemein Vollkornprodukte. Auch Kartoffeln und viele andere
Gemüsesorten sind gut. Zudem ist es wichtig, immer ausreichend
zu trinken – d.h. mindestens 2 Liter pro Tag. Das gilt
insbesondere für Patienten, die verstärkt schwitzen.
(Verträglichkeit).
Wie
vermeidet man Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten?
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Moderne Opioide sind gut verträglich und verursachen nur selten Wechselwirkungen
mit anderen Medikamenten. Um diese jedoch auszuschließen, muss der Arzt über
sämtliche Medikamente informiert sein, die der Patient nimmt. Er kann
dann alle Wirkstoffe aufeinander abstimmen. Zusätzlich sollte ein Schmerzpatient
immer einen Therapiepass mit sich tragen. Dort steht, welche Medikamente er
wie und in welcher Dosierung nimmt. So weiß bei ein plötzlichen
Erkrankung der vor Ort behandelnde Arzt sofort Bescheid.
Wann
sind Opioide sinnvoll?
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Opioide werden bei starken Schmerzen verordnet und innerhalb der Schmerztherapie
nach dem WHO-Stufenschema eingesetzt. Bei frühzeitigem
Einsatz können sie helfen, die Bildung eines Schmerzgedächtnisses
zu verhindern. Gerade in der Langzeitanwendung sind sie zudem besser verträglich
als rezeptfrei erhältliche Schmerzmittel.
Machen
Opioide süchtig?
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Dabei muss man körperliche von psychischer Abhängigkeit unterscheiden.
Körperliche Abhängigkeit heißt, dass das Absetzten eines Medikaments
unangenehme Wirkungen auslöst. Das ist bei Opioiden durchaus der Fall,
genauso wie beim Insulin eines Diabetikers oder dem Herz-Kreislauf-Medikament
eines Hochdruckkranken.
„Sucht“ meint jedoch eher
die psychische Abhängigkeit. Davor muss man bei konsequenter
Anwendung von Opioiden keine Angst haben. Die in der Schmerztherapie überwiegend
eingesetzten retardierten Präparate setzen den Wirkstoff
nur langsam frei und lindern die Schmerzen dadurch gleichmäßig „rund
um die Uhr“. Damit kommt es erst gar nicht zu einem „Kick“,
wie er für die Entwicklung einer psychischen Abhängigkeit
notwendig wäre. Das Absinken des Wirkspiegels und damit
das Auftreten körperlicher Entzugserscheinungen wird durch
das feste Zeitschema ebenfalls vermieden. Auch das Beenden der
Therapie ist jederzeit möglich: Dazu werden die Medikamente
einfach über längere Zeit „ausgeschlichen“,
sodass sich der Stoffwechsel langsam darauf einstellen kann.
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