Wozu
sind Schmerzen gut, wie entstehen sie?
(zurück / nach oben)
Ohne Schmerzempfinden könnten wir nicht überleben. Schmerzen warnen
vor möglichen Schäden an unserem Körper. Dazu leiten in der ganzen
Haut verteilte Nervenenden Schmerzreize so schnell wie möglich an das Rückenmark
weiter. Diese erste Schaltstelle prüft ihre Intensität und löste
Gegenreaktionen aus, z.B. das Zurückziehen der Hand von der heißen
Herdplatte. Über Hormon- und Herz-Kreislaufsystem wird die nötige Energie
dafür bereitgestellt. Zuletzt beginnt auch die körpereigene Schmerzbekämpfung.
Gleichzeitig erhält das
Gehirn Informationen über den Schmerzreiz und den Umfang eventueller
Schädigungen und vergleicht diese Angaben mit früheren
Schmerzerfahrungen. Je nachdem empfinden wir den Schmerz und reagieren
entsprechend, also schreien oder weinen wir oder sind nur erschrocken.
Ist der Schmerz ausreichend stark, löst das zudem die eigene
Schmerzbekämpfung aus: Körpereigene Opioide (so genannte
Endorphine) binden dann an Schmerzrezeptoren im Rückenmark
und schalten den Schmerz so nach und nach aus.
Wie
beschreibt man Schmerzen?
(zurück
/ nach oben)
Schmerzen
sind immer subjektiv und nicht wie andere Körperfunktionen
objektiv messbar. Wertungen wie „mittel“ oder „stark“ helfen
nicht weiter. Je nach eigener Erfahrung empfindet ein Mensch
einen Schmerz als stark, den ein anderer als mittel oder schwach
einstufen würde. Neben der rein körperlichen Empfindung
fließen auch emotionale Aspekte in die Wahrnehmung ein.
Moderne Fragebögen zur Schmerzdiagnostik fragen daher immer
nach körperlichen Bewertungen (wie klopfend, stechend o.ä.)
und emotionalen Bewertungen (wie lähmend, beängstigend
o.ä.). Daneben setzt man visuelle Schmerzskalen ein,
die Auskunft über die Schmerzintensität geben sollen. (Link
Frage Messung)
Muss
für Schmerzen immer Gewebe geschädigt werden?
(zurück / nach oben)
Nein. Akuter Schmerz warnt vor akuter und potentieller Gewebeschädigung.
Bei chronischen Schmerzen können diese hingegen auch auftreten, wenn die
Grunderkrankung bereits ausgeheilt ist. Ursache ist das so genannte Schmerzgedächtnis.
Langanhaltende Schmerzreize haben das Nervensystem derart verändert, dass
es dem Gehirn nun dauerhaft Schmerzsignale sendet. Man nennt diese Veränderungen
von Nervenzellen auch Neuroplastizität.
Was
sind chronische Schmerzen?
(zurück
/ nach oben)
Chronisch sind Schmerzen, die länger als sechs Monate andauern oder nach
geheilter Grundkrankheit weiter bestehen. Sie besitzen anders als der akute
Schmerz keine biologische Funktion, warnen also nicht vor Verletzungen oder
gefährlichen Situationen. Unzureichend oder zu spät behandelte akute
Schmerzen können chronisch werden. Nach einigen Monaten verändert
das meistens auch die psychische Verfassung der Betroffenen. Der Dauerschmerz
wird schließlich zu einer eigenen Schmerzkrankheit.
Was
ist das Schmerzgedächtnis?
(zurück
/ nach oben)
Das Schmerzgedächtnis ist kein Teil des menschlichen Gehirns, der Erinnerungen
speichert. Man bezeichnet damit vielmehr die Tatsache, dass sich Nervenzellen
unter andauernden Schmerzreizen verändern können. Sie werden „überempfindlich“ und
senden ständig Schmerzsignale an das Gehirn, auch bei nicht schmerzhaften
Reizen oder ganz ohne Auslöser. Diese Möglichkeit des Nervensystems
sich zu verändern nennt man auch Neuroplastizität.
Kann
man die Stärke von Schmerzen messen?
(zurück
/ nach oben)
Die Stärke von Schmerzen ist nur ein Aspekt von vielen, um das persönliche
Schmerzerleben zu beschreiben. Neben der körperlichen Empfindung gehen
in die Wahrnehmung auch emotionale Aspekte ein. Schmerzen sind also immer subjektiv.
Je nach eigener Erfahrung empfindet ein Mensch eine Schmerz als stark, den
ein anderer als mittel oder gar schwach einstufen würde. Deshalb sind
sie nicht wie andere Körperfunktionen objektiv messbar. Um Auskünfte über
die Stärke zu erhalten, setzt man z. B. die so genannte visuelle Analogskala
(VAS) ein. Die Beurteilung der Intensität ist wichtig,
um die Dosis der Medikation einzustellen und deren Effektivität zu bewerten.
Die Skala reicht von „keine Schmerzen“ bis zu „stärksten
vorstellbaren Schmerzen“. Der Patient stellt wie bei einem Rechenschieber
die aktuelle subjektive Schmerzstärke ein. Auf der Rückseite der
Schmerzskala erscheint ein entsprechender Zahlenwert auf der so genannten numerischen
Analogskala (NAS) von 0 bis 10. Die Ergebnisse protokolliert man über
längere Zeit (z.B. in einem Schmerztagebuch). Dadurch erfährt man,
ob die Dosierung des Schmerzmittels ausreicht oder die Einnahmeintervalle richtig
gewählt sind.
Was
sind Durchbruchschmerzen oder Schmerzspitzen?
(zurück
/ nach oben)
Diese spontanen Schmerzattacken treten bei Krebserkrankungen relativ häufig
auf, auch wenn die eigentlichen Dauerschmerzen durch eine effektive Therapie
gut gelindert sind. Sie können schnell vorüber gehen oder mehrere
Stunden andauern. Manchmal lösen bestimmte Bewegungen Durchbruchschmerzen
aus, oft ist aber keine eindeutige Ursache erkennbar. Zur Behandlung verordnet
der Arzt ein zusätzliches, schnell wirksames Opioid, das bei Bedarf kurzfristig
einzusetzen ist.
Muss
sich ein Krebskranker mit Schmerzen abfinden?
(zurück
/ nach oben)
Niemand sollte Schmerzen einfach ertragen! Dank der Fortschritte in der Schmerztherapie
können heute selbst starke Krebsschmerzen sehr effektiv gelindert werden.
Ob ein Patient Schmerzen hat, ist abhängig von der Art, dem Stadium und
dem Verlauf der Erkrankung sowie den Therapiemaßnahmen. Vor allem Patienten
mit fortgeschrittener Erkrankung leiden oft an Tumorschmerzen. Die moderne
Schmerztherapie kann
diese heute bei über 90 Prozent der Patienten deutlich lindern und ihre
Lebensqualität dauerhaft verbessern.
Welche
Therapiemöglichkeiten gibt es?
(zurück
/ nach oben)
Die moderne Schmerztherapie versucht, Schmerzen frühzeitig und effektiv
zu lindern, damit die Betroffenen ihren Alltag möglichst unabhängig
gestalten können. Die Konzepte sind dabei vielschichtig und immer individuell
auf den einzelnen Patienten zugeschnitten. Oft unterstützen verschiedene
nicht-medikamentöse Verfahren die medikamentöse Therapie. Auch psychologische
Hilfe kann für eine erfolgreiche Therapie wichtig sein. Die Medikamentöse
Behandlung erfolgt nach dem WHO-Stufenschema. Daneben
können folgende Verfahren in der Schmerztherapie zum Einsatz kommen:
• Entspannungsübungen (wie Yoga oder Autogenes Training)
• Hypnose
• Invasive Verfahren (wie rückenmarksnahe Opiatapplikation oder Nervenblockaden)
• Physikalische Therapie, Rehabilitationsmaßnahmen
• Psychotherapie
• Stimulationstechniken (wie TENS und Akupunktur)
• Therapeutische Lokal- und Leitungsanästhesie

|